Naturnahe Seen zum Wandern in Oberösterreich und anderen Regionen Österreichs

Naturnahe Seen zum Wandern in Oberösterreich und anderen Regionen Österreichs Ein See

Ein See verändert eine Wanderung. Das Ziel ist schon aus der Ferne sichtbar, am Ufer öffnen sich immer wieder neue Perspektiven und an warmen Tagen sorgt das Wasser zumindest optisch für Abkühlung. Besonders reizvoll sind jene Seen, an denen nicht Strandbäder, Uferpromenaden und Ausflugslokale den Ton angeben, sondern Wald, Feuchtgebiete und Berge.

Österreich hat davon einige. Manche liegen in ausgewiesenen Naturschutzgebieten, andere in Naturparks oder geschützten Gebirgslandschaften. Die Auswahl reicht vom fast ebenen Spaziergang am Seeufer bis zur hochalpinen Wanderung auf knapp 2.000 Metern Höhe.

Den Anfang machen zwei Seen in Oberösterreich. Danach geht es weiter nach Vorarlberg, Kärnten und Tirol.

Die 5 Seen im Überblick

See Region Charakter Einfache Wanderoption
Almsee Oberösterreich Naturschutzgebiet, Wald und Totes Gebirge Rundweg, ca. 6 km
Offensee Oberösterreich Ruhiger Bergsee im Naturschutzgebiet Rundweg, ca. 4,4 km
Lünersee Vorarlberg Hochalpiner See im Rätikon Rundweg, ca. 6 km
Weissensee Kärnten Naturpark, bewaldete Ufer und Berglandschaft Uferwanderungen in verschiedenen Längen
Hintersteiner See Tirol Gebirgssee im Naturschutzgebiet Wilder Kaiser Rundweg, ca. 5,2 km

1. Almsee: Wandern im Naturschutzgebiet am Fuß des Toten Gebirges

Der Almsee bei Grünau im Almtal gehört zu den Seen in Oberösterreich, an denen die Landschaft noch klar im Vordergrund steht. Der rund zwei Kilometer lange See liegt auf 589 Metern Höhe in einem Talschluss unter den Bergen des Toten Gebirges. Wald reicht an vielen Stellen fast bis ans Wasser, dazu kommen Schilfbereiche, Auwald und flache Verlandungszonen.

Der See und seine Umgebung stehen unter Naturschutz. Das merkt man auch daran, dass hier vieles nicht möglich ist, was an anderen österreichischen Seen selbstverständlich geworden ist. Segeln, Surfen, Stand-up-Paddeln und Campieren sind beispielsweise nicht erlaubt. Dadurch bleibt der Almsee vergleichsweise ruhig.

Rundwanderung um den Almsee

Für einen ersten Besuch bietet sich die klassische Runde um den See an. Sie ist etwa 6 Kilometer lang und dauert ungefähr 1,5 bis 2 Stunden. Große Höhenunterschiede gibt es nicht.

Ganz mit einem Spazierweg sollte man die Runde trotzdem nicht verwechseln. Auf der naturnäheren Seite führen Wald- und Schotterwege über Wurzeln und kleinere Unebenheiten. Nach längeren Regenfällen oder während der Schneeschmelze können einzelne Abschnitte feucht sein. Gute Schuhe sind deshalb sinnvoll.

Besonders schön ist der Kontrast zwischen den ruhigen Uferbereichen und den steilen Nordwänden des Toten Gebirges. Bei windstillem Wetter spiegeln sich die Berge im See – einer der Gründe, weshalb sich ein Besuch am frühen Vormittag lohnt.

Wer länger wandern möchte

Du musst deine Tour nicht auf die Seeumrundung beschränken. Eine reizvolle Möglichkeit ist es, bereits weiter unten im Almtal zu starten und dem Almfluss Richtung See zu folgen. Dadurch wird aus der kurzen Runde eine längere Wanderung durch Wald- und Flusslandschaften.

Wer Bergerfahrung mitbringt, findet vom südlichen Ende des Almtals außerdem anspruchsvollere Touren ins Tote Gebirge. Für diese solltest du den gemütlichen Charakter der Seeumrundung allerdings gedanklich hinter dir lassen: Oberhalb des Tals wird das Gelände schnell alpiner.

Für wen eignet sich der Almsee?

  • für leichte Wanderungen in naturnaher Umgebung
  • für einen ruhigen Tagesausflug im Salzkammergut
  • für Familien, sofern Kinder auf Waldwegen sicher unterwegs sind
  • für Vogelbeobachtung und Naturfotografie
  • für Wanderer, die See und Bergtour miteinander verbinden möchten

2. Offensee: Kleiner, stiller und von Wald umgeben

Wer vom Almsee weiter ins Salzkammergut schaut, findet bei Ebensee einen zweiten See, der hervorragend zum Thema passt. Der Offensee liegt am Rand des Toten Gebirges und gehört ebenfalls zu einem Naturschutzgebiet.

Mit seiner von Wald geprägten Umgebung wirkt er abgeschiedener als viele der bekannten Seen des Salzkammerguts. Große Orte liegen nicht direkt am Ufer, und die steilen bewaldeten Berghänge geben dem Tal einen deutlich geschlosseneren Charakter.

Die Runde um den Offensee

Die klassische Seeumrundung ist etwa 4,4 Kilometer lang und weist nur wenige Höhenmeter auf. Damit eignet sie sich auch dann, wenn du keine große Bergtour planst oder nur einen halben Tag zur Verfügung hast.

Unterwegs wechseln breite Wege, Waldabschnitte und offene Blicke über das Wasser. Gerade diese Einfachheit macht die Tour angenehm: Du musst dich nicht ständig auf den Weg konzentrieren und kannst die Umgebung tatsächlich wahrnehmen.

Im Sommer kommen Badegäste hinzu. Wenn du die ruhigere Seite des Offensees erleben möchtest, solltest du daher früh am Tag oder außerhalb der Hauptferienzeit kommen. Im Frühling und Herbst ist die Stimmung häufig noch stiller.

Almsee oder Offensee?

Beide Seen lassen sich gut auf einer Reise durch Oberösterreich verbinden, sind landschaftlich aber nicht identisch. Am Almsee beeindruckt vor allem die Kulisse des Toten Gebirges am südlichen Ende. Der Offensee wirkt kompakter und stärker vom Wald eingeschlossen.

Wenn du nur einen auswählen möchtest, würde ich für eine erste Reise zum Almsee tendieren. Suchst du dagegen einen kleinen See für eine ruhige, unkomplizierte Wanderung, ist der Offensee mindestens ebenso interessant.

3. Lünersee: Hochalpine Landschaft im Rätikon

Der Lünersee in Vorarlberg spielt landschaftlich in einer anderen Kategorie. Er liegt auf knapp 2.000 Metern Höhe im Rätikon und wird von schroffen Kalkbergen eingerahmt. Wald findest du hier kaum noch. Stattdessen bestimmen alpine Matten, Fels und Geröll das Bild.

Der See ist natürlichen Ursprungs, wurde durch den Bau einer Staumauer jedoch deutlich vergrößert. Wer ausschließlich völlig unveränderte Naturseen sucht, sollte das wissen. Trotzdem ist die Landschaft rundherum erstaunlich ursprünglich geblieben.

Auch beim Schutzstatus passt der Lünersee gut in diese Auswahl: Das Rellstal und Lünerseegebiet ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Geschützt wird damit eine großflächige alpine Landschaft weit über das unmittelbare Seeufer hinaus.

Der Lünersee-Rundweg

Die bekannteste Tour führt einmal um den See. Der Rundweg ist ungefähr 6 Kilometer lang, hat rund 100 Höhenmeter und benötigt etwa zwei Stunden. Ausgangspunkt ist die Bergstation der Lünerseebahn.

Die Strecke ist technisch nicht besonders schwierig, doch die Höhe sollte man nicht unterschätzen. Das Wetter kann sich im Gebirge schnell ändern, und selbst an warmen Tagen im Tal können oben Wind und deutlich niedrigere Temperaturen herrschen. Feste Bergschuhe sowie Regen- und Wärmeschutz gehören deshalb in den Rucksack.

Mehr als nur die Seeumrundung

Der eigentliche Reiz des Lünersees beginnt für ambitioniertere Wanderer dort, wo viele Tagesgäste umkehren. Vom See führen verschiedene Wege weiter in den Rätikon.

Eine vergleichsweise moderate Erweiterung führt Richtung Gafalljoch. Wer mehr Kondition und alpine Erfahrung besitzt, kann zur Totalphütte aufsteigen. Darüber erhebt sich mit der Schesaplana der höchste Gipfel des Rätikons. Spätestens auf diesen Strecken wird aus dem Ausflug zum See eine richtige Bergtour.

Wenn du Ruhe suchst, solltest du berücksichtigen, dass die Bergbahn den Lünersee leicht zugänglich macht. Direkt an der Bergstation und auf dem Rundweg kann entsprechend viel los sein. Mit zunehmender Entfernung von der Bergstation verteilt sich der Besucherstrom jedoch deutlich.

4. Weissensee: Wandern zwischen Wasser, Wald und Gailtaler Alpen

Der Weissensee in Kärnten verbindet zwei Landschaftstypen, die nicht immer zusammenkommen. Einerseits ist er ein großer See mit Badestellen, Schifffahrt und Urlaubsorten. Andererseits sind lange Abschnitte seines Ufers bewaldet und kaum bebaut.

Der See liegt im Naturpark Weissensee. Rund um das Wasser und in den angrenzenden Bergen gibt es mehr als 200 Kilometer markierte Wanderwege. Damit ist der Weissensee besonders interessant, wenn du nicht nur eine einzige Seeumrundung suchst, sondern mehrere Wandertage an einem Ort verbringen möchtest.

Warum man den Weissensee nicht unbedingt umrunden muss

Eine komplette Runde ist hier nicht die naheliegendste Variante. Spannender sind einzelne Uferwege und Verbindungen in die Berge. Ein gutes Beispiel ist der Slow Trail Weissensee, der über rund 6,7 Kilometer durch weitgehend naturnahe Uferlandschaft führt.

Praktisch ist dabei die Schifffahrt. Du kannst einen Abschnitt zu Fuß zurücklegen und für den Rückweg das Schiff nutzen. Dadurch lassen sich auch längere Strecken als Streckenwanderung planen, ohne denselben Weg zurückgehen zu müssen.

Vom Ufer in die Berge

Wenn dir ein Uferweg zu wenig ist, kannst du vom See zu höher gelegenen Almen und Aussichtspunkten aufsteigen. Die Wanderlandschaft rund um den Weissensee ist weniger schroff als am Lünersee und bietet dadurch eine größere Auswahl an mittelschweren Touren.

Der Weissensee ist allerdings kein Geheimtipp. Im Sommer kommen Badegäste, Wanderer und Urlauber zusammen. Wer vor allem Ruhe sucht, sollte Mai, Juni, September oder den frühen Oktober ins Auge fassen und die stärker erschlossenen Uferbereiche nicht zum Maßstab für den gesamten See nehmen.

5. Hintersteiner See: Natursee unterhalb des Wilden Kaisers

Der Hintersteiner See oberhalb von Scheffau ist mit seinen rund 56 Hektar wesentlich kleiner als der Weissensee. Gerade das macht ihn für Wanderer interessant: Du kannst den gesamten See zu Fuß kennenlernen und gleichzeitig eine der markantesten Berglandschaften Tirols erleben.

Der See liegt auf etwa 883 Metern Höhe mitten im Naturschutzgebiet Wilder Kaiser. Das Wasser wird überwiegend durch unterirdische Quellen gespeist und kann je nach Licht intensiv grün oder türkis erscheinen.

Rundwanderung um den Hintersteiner See

Der Rundweg ist ungefähr 5,2 Kilometer lang und in etwa 1,5 Stunden zu bewältigen. Ganz eben ist die Strecke allerdings nicht: Insgesamt kommen rund 130 Höhenmeter zusammen.

Die beiden Seeufer unterscheiden sich deutlich voneinander. Am Nordufer ist der Weg einfacher und teilweise asphaltiert. Das Südufer ist reizvoller, wenn du lieber auf Wald- und Wanderwegen unterwegs bist. Hier geht es mehrfach bergauf und bergab, teilweise über Stufen.

Für eine größere Tour kannst du die Seeumrundung beispielsweise mit einem Aufstieg Richtung Walleralm verbinden. Damit bekommst du zusätzlich zum Seeufer Almwiesen und weitere Ausblicke auf das Kaisergebirge.

Welcher See passt zu welcher Wanderung?

Obwohl alle fünf Seen naturnah liegen, unterscheiden sie sich erheblich. Für die Wahl lohnt es sich deshalb, weniger nach dem vermeintlich schönsten See und mehr nach der gewünschten Art der Wanderung zu entscheiden.

  • Almsee: wenn du eine leichte Seeumrundung mit eindrucksvoller Bergkulisse in Oberösterreich suchst.
  • Offensee: wenn Wald, Ruhe und eine kurze Wanderung wichtiger sind als eine spektakuläre Hochgebirgsszenerie.
  • Lünersee: wenn du hochalpine Landschaft erleben und die einfache Runde eventuell zu einer Bergtour erweitern möchtest.
  • Weissensee: wenn du mehrere Tage bleiben und unterschiedliche Ufer- und Bergwanderungen miteinander kombinieren willst.
  • Hintersteiner See: wenn du eine überschaubare Rundwanderung mit dem Panorama des Wilden Kaisers verbinden möchtest.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern an Österreichs Seen?

Für Almsee, Offensee, Weissensee und Hintersteiner See sind später Frühling und Herbst oft besonders angenehm. Die Temperaturen eignen sich gut zum Wandern, und außerhalb der Ferienzeiten ist an den Seen meist weniger Betrieb. Im Herbst kommt die Färbung der Wälder hinzu.

Beim Lünersee gelten andere Regeln. Durch die Höhenlage von fast 2.000 Metern ist die Saison wesentlich kürzer. Schnee kann dort lange liegen oder bereits früh im Herbst zurückkehren. Vor einer Tour solltest du deshalb immer die aktuellen Bedingungen und den Betrieb der Lünerseebahn prüfen.

Im Hochsommer lohnt es sich an allen fünf Seen, früh zu starten. Das ist nicht nur wegen möglicher Hitze sinnvoll. Am Morgen sind die Wege meist ruhiger, das Licht ist weicher und die Wasseroberfläche häufiger windstill.

Naturschutz beim Wandern am See

Dass Wege durch Naturschutzgebiete führen, bedeutet nicht, dass die Landschaft unberührt ist. Gerade leicht erreichbare Seen stehen unter erheblichem Besucherdruck. Ein paar einfache Verhaltensweisen machen deshalb einen Unterschied.

  • Bleibe in Schutzgebieten auf den markierten und freigegebenen Wegen.
  • Nimm Abfälle vollständig wieder mit.
  • Vermeide unnötigen Lärm, besonders in sensiblen Ufer- und Feuchtgebieten.
  • Beachte lokale Regeln für Hunde und führe sie dort an der Leine, wo dies vorgeschrieben ist.
  • Pflücke keine geschützten Pflanzen und betrete keine abgesperrten Uferzonen.
  • Prüfe vor der Tour aktuelle Wegsperren und Schutzbestimmungen.

Fazit: Fünf Seen, fünf unterschiedliche Wanderlandschaften

Für naturnahe Wanderungen musst du in Österreich nicht zwangsläufig zu abgelegenen Seen aufsteigen. Schon der Almsee und der Offensee in Oberösterreich zeigen, wie viel Natur sich auf relativ einfachen Wegen erleben lässt. Beide eignen sich gut für einen ruhigen Wandertag im Salzkammergut und lassen sich auf einer längeren Reise problemlos miteinander kombinieren.

Der Lünersee setzt mit seiner hochalpinen Lage einen deutlichen Kontrast dazu. Der Weissensee bietet die größte Auswahl an unterschiedlichen Touren, während der Hintersteiner See eine kurze Seeumrundung mit der eindrucksvollen Kulisse des Wilden Kaisers verbindet.

Wenn du dich nicht entscheiden kannst, beginne mit dem Almsee. Die Runde ist kurz genug für einen entspannten Tag, führt durch ein echtes Naturschutzgebiet und gibt dir trotzdem das Gefühl, mitten in einer großen Berglandschaft unterwegs zu sein.

FAQ: Wandern an naturnahen Seen in Österreich

Welcher See eignet sich besonders für eine leichte Wanderung?
Der Offensee und der Almsee sind gute Optionen. Beide lassen sich auf vergleichsweise kurzen Wegen mit wenigen Höhenmetern umrunden.
Welcher der fünf Seen liegt am höchsten?
Der Lünersee liegt auf knapp 2.000 Metern Höhe im Rätikon und bietet damit die deutlich hochalpinste Landschaft dieser Auswahl.
Welche Seen liegen in einem Naturschutzgebiet?
Unter anderem liegen Almsee, Offensee, Lünersee und Hintersteiner See in beziehungsweise innerhalb ausgewiesener Schutzgebiete. Der Weissensee ist Teil des Naturparks Weissensee.
Welcher See eignet sich für mehrere Wandertage?
Der Weissensee ist dafür besonders geeignet. Rund um den See stehen zahlreiche Ufer-, Alm- und Bergwanderungen zur Auswahl.
Wann ist die beste Reisezeit für ruhige Wanderungen?
Mai, Juni, September und Anfang Oktober sind für viele der tiefer gelegenen Seen angenehm. Beim hoch gelegenen Lünersee ist die mögliche Wandersaison kürzer und stärker von Schnee und Wetter abhängig.
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